Weitere Fragen zu Stadt der Zukunft:

Welche weiteren Fragestellungen zur Untersuchung und Umsetzung intelligenter Energielösungen für die Stadt der Zukunft schlagen Sie vor?

Gibt es Themenfelder, die von diesem Programm bisher noch nicht in den vergangenen Ausschreibungen (Leitfaden 1. Ausschreibung, PDF bzw. Leitfaden 2. Ausschreibung, PDF) abgedeckt wurden und die aufgegriffen werden sollen?

18 Gedanken zu „Weitere Fragen zu Stadt der Zukunft:

  1. Richard Obernosterer

    Wichtiges Thema ist urban mining. Hier aber nicht nur aus Sicht der Baurestmassen. Unsere Städte sind ein enormes Rohstofflager. Wie die eingebauten Ressourcen bergen ist eine bedeutende Zukunfstfrage. Wen wir das klug machen, sparen wir Ressourcen (auch Energie), werden unabhängiger vom Weltmarkt und auch Wirtschaftlich sehr interessant (alleine die Vermeidung der Deponierung spart Geld). Erste Ansätze sind vorhanden – jetzt gilt es Technologien und Strategien zu entwickeln.

  2. Jens S. Dangschat

    Stadt der Zukunft sollte sich unbedingt mehr um die gegenwärtige und zukünftige Stadtgesellschaft kümmern. Aufgrund der extrem schlechten Datenlage (Beschreibung lediglich über demografische Kategorien, die jedoch hinsichtlich der Erklärung unterschiedlicher Interessen, Wertvorstellungen und Verhaltensweisen extrem magere Ergebnisse liefern), geht es erst einmal darum, die Stadtgesellschaft hinsichtlich ihrer Vielfalt und räumlichen Verteilung sinnvoll zu erfassen. Dazu stehen uns noch nicht einmal angemessene sozial(räumlich)e Typologien vor. Im nächsten Schritt wäre Foresight-Studien notwendig, denn bislang vermuten wir nur, wie viele wir sein werden, wie der Alters- und Geschlechtsaufbau ist – das war’s. Was die Menschen denken und können, wollen und erwarten – das weiß keiner
    Erst auf diese Weise kann man Analysen über die „Stadt der Zukunft“, die „Mobilität der Zukunft“, die „Smartness von Städten“, die Akzeptanz künftiger Technologie, die unsere berufliche und private Welt, d.h. unser Verhalten deutlich verändern, überhaupt erst sinnvoll beginnen.
    Natürlich kann diese Schiene keine sozialwissenschaftlichen Grundlagen-Studien fördern (aber die fördert niemand – warum eigentlich nicht?), aber es müssen Wege gefunden werden, kontraproduktive Rebound-Effekte gering zu halten und sozial differenziert die Stadtbevölkerung zu informieren, zu aktivieren, zu ermächtigen und Verantwortung für den stadtgesellschaftlichen Wandel im Rahmen technologischen Fortschritts zumindest in Teilen zu übernehmen. Urban Living Labs können dazu verwendet werden – aber dazu muss erst einmal der unreflektierte Blick auf soziale Netze ebenso verändert werden, wie der alte Wein, der in neue Schläuche abgefüllt wird, zumindest neu gekeltert werden. Ein Lab ist insbesondere eine Herausforderung für die Rolle von Wissenschaft (insbesondere diejenige, die auf dem positivistischen Paradigma, der mathematischen Logik und dem Menschenbild des ‚homo oeconomicus‘ aufbauen – das sind alles Bilder, die im Alltagsleben eher in der Minderheit sind.

  3. Kurt Könighofer

    Der Ansatz den Stoff- und Energiehaushalt von Städten gemeinsam zu betrachten wäre ein integrativer Teil von Hybridnetzen. Die gesamte Infrastruktur (Fernwärme- bzw. kühlleitungen, Gasleitungen, Leitungen bzw. Kanäle zur Wasserversorgung bzw. Abwasserentsorgung, Strom- und ICT-Leitungen, Schienenverkehr für Lastentransporte („Güterstraßenbahn“) etc.) soll somit effizientest genutzt werden können. Diese gemeinsame Nutzung beinhaltet sowohl technische Fragestellungen als auch Fragestelungen zu Geschäftsmodellen und der Kostenaufteilung.
    Für bestehende Gebäude haben die Möglichkeiten für eine flexible Nutzung (Revitalisierung) einen hohen Stellenwert: Vermeidung von Neubauten, Umnutzung von Gebäuden nach Bedarf (Wohnungen zu Bürobauten etc,), Verbesserung der Bau- und Energiequalität durch Revitalisierungsmaßnahmen, Vermeidung von Abfall/Reststoffen, Aufwertung bzw. „Verdichtung“ von Stadtteilen, Verhinderung von Abwanderung. Diese Flexibilisierung (Mitdenken von zukünftigen Änderungen und damit Revitalisierungsmöglichkeiten) könnte bereits auch im Planungsstadium berücksichtigt werden im Sinne einer Lebenszyklusbetrachtung.

  4. Gudrun Lettmayer JOANNEUM RESEARCH RESOURCES

    Aufgrund zweier Entwicklungen – der befürchteten Zunahme von Hitzeinseln im Stadtraum einerseits und der in vielen Städten angestrebten Nachverdichtung zu Lasten von Freiräumen – muss neben anderen energieorientierten Planungsmaßnahmen die GEZIELTE GRÜNRAUMPLANUNG eine wesentliche Rolle spielen.
    Sie ist ein zentraler Ansatzpunkt für die Entwicklung intelligenter Energielösungen für öffentliche Räume im Sinn von Kühleffekten. Funktionale Grünraumgestaltung kann aufgrund ihres bewiesenen Einflusses bewusst zur Anpassung des kleinräumigen Temperatur- und Feuchtehaushalts (Cool Islands) sowie zur Verbesserung des Luftqualität eingesetzt werden.
    Grünraumplanung bedeutet die Gestaltung von Neuanlagen nach klaren und wissenschaftlich fundierten Vorgaben ebenso wie die Optimierung der Funktionalität bestehender räumlicher Gegebenheiten. Bei letzteren sind insbesondere Potentiale „Grüner Dachflächen und Fassaden“ zu berücksichtigen.
    Grünräume sind – wichtig, wenn man von StadtGESTALTUNG spricht – ein gutes Beispiel dafür, wie dasselbe Planungselement, variabel je nach Priorität eingesetzt, neben seiner energetischen Funktion auch weitere zentrale urbane Bedürfnisse wie die nach Erholung, Ästhetik, Bewegung, Kommunikation und ökologischen Ausgleichsflächen bedienen kann. Wie bei anderen Stadtgestaltungsansätzen ist auch im Fall der funktionalen Grünraumgestaltung auf eine aktive Einbindung der BürgerInnen Wert zu legen.

  5. Jürgen Suschek-Berger, IFZ

    Einige weitere spannende Fragestellungen:

    „Blackout“ in der Stadt – wie vorsorgen, wie vermeiden, wie damit umgehen, wenn es passiert?
    Wie und was können „sterbende“ Städte von vergleichbaren anderen Städten lernen, deren Ortszentren und Infrastrukturen noch funktionieren?
    Projekte zu Fragen des sozialen Zusammenhalts in der Stadt der Zukunft unter dem Lichte von Fragen wie Energiearmut oder ungleicher Verteilung des Zugangs zu Energieressourcen und der Teilhabe am Stadtleben

  6. Arnold Stuhlbacher

    Es wäre wünschenswert, in Anlehnung zur 1. Ausschreibung die Thematik „Bewertung und Gestaltung des urbanen Stoffhaushaltes“ wieder stärker zu berücksichtigen.
    Der größte Teil des Stoffflusses ist heute weitgehend unbekannt, das heißt sein Gefährdungs- und/oder Ressourcenpotential ist nicht abschätzbar. Umweltschutz als Filter am „hinteren Ende“ des Systems ist nicht immer die effizienteste Maßnahme zur Verhinderung von Belastungen. Städte müssen zukünftig ihren Stoffhaushalt (z.B. Wasser, Abwasser, Abfall…) besser kennen lernen um im Gesamtsystem die effizientesten und effektivsten Maßnahmen zu erkennen und zu setzen.

  7. Walter Vertat, Gruppe "bewusst.nachhaltig", Agenda 21 Plus, Wien Alsergrund

    Die Anzahl der Einwohnerinnen und Einwohner von Städten wird nach Analysen zu urteilen in den nächsten Jahren zunehmen. Wie lässt sich die Grünfläche auf Grund des steigenden Nutzungsdrucks in der gebauten Stadt erhöhen? Welche Vorteile sind für das Klima, die Aufenthaltsqualität, die Reduktion von Energieverbrauchen, … zu erwarten?

  8. Walter Vertat, Gruppe "bewusst.nachhaltig", Agenda 21 Plus, Wien Alsergrund

    Welche Folgen sind aufgrund von Wetterextremen für Gebäude, deren Bewohner sowie das direkte
    Umfeld zu erwarten?

  9. Walter Vertat, Gruppe "bewusst.nachhaltig", Agenda 21 Plus, Wien Alsergrund

    Suffizienz

    1. Walter Vertat, Gruppe "bewusst.nachhaltig", Agenda 21 Plus, Wien Alsergrund

      Suffizienz-Strategien gegen die Zunahme von Wohnfläche, Zunahme der Ausstattung von Haushalten, Zunahme von Einfamilienhäusern.

  10. Walter Vertat, Gruppe "bewusst.nachhaltig", Agenda 21 Plus, Wien Alsergrund

    Sektorale Denken bzw. Realitäten bei der Ausschreibung berücksichtigen. Die Lage der Gebäude bzw. die Ausstattung der Gebäude, die Qualität der Umgebung induziert u.a. Verkehr. Verkehr sollte also auch im Rahmen von Stadt der Zukunft neben anderen energiebezogenen Fragestellungen berücksichtigt werden.

  11. Susanne Geissler

    Außerhalb von Europa entstehen zahlreiche Städte/Siedlungen im Rekordtempo – Entwicklung von nachhaltigen Plug and Play Lösungen für den Export, bzw. gezielte Verwertung/Weiterentwicklung von vielversprechenden Ansätzen, die es schon gibt.

  12. Walter Vertat, Gruppe "bewusst.nachhaltig", Agenda 21 Plus, Wien Alsergrund

    Resilienz von Stadtteilen gegenüber Zusammenbrüche der Stromnetze (Zugang zu Nahversorgung, Geschäften, Finanzsystemen/Banken. …)
    Resilienz von Stadtteilen gegenüber Öl- und Gaskrisen

  13. Walter Vertat, Gruppe "bewusst.nachhaltig", Agenda 21 Plus, Wien Alsergrund

    Es gibt zu viele Gebäudestandards zur Bewertung.
    Eigenversorgung mit Energie und Lebensmitteln.
    Strukturen, für die Nahversorgung.
    Nahversorgung ohne Auto.
    Zukunftsfähiger Güterverkehr, …

  14. E.fried

    Mehr Fokus auf Stoff- und Energieströme (Wertstoffe, Abfall…) , Resilienz (Eigenversorgung mit Lebensmitteln, Energie) und ganz wichtig Gesundheit (insbesonders für Hochaltrige) etc.
    Damit stärkere Abgrenzung von anderen Ausschreibungen indem das Thema Energie in den Hintergrund tritt.

  15. Cornelia Ehmayer

    Geschätztes Programmteam,
    – ich würde empfehlen, das „Quergedacht“ aus der 1. Ausschreibung wieder aufzugreifen, da das Wesen der Nachhaltigkeit auch aus Sozial/Gesellschaftlichen Aspekten besteht. Es scheint mir nicht sinnvoll, den sozialen Aspekt der Nachhhaltigkeit ganz auszublenden bzw. anderen Forschungsprogrammen zu überlassen. Gerade wo die soziale Thematik (Armut, Flüchtlinge) für die kommenden Jahre eine bleibende gesellschaftliche Herausforderung darstellt. „Quergedacht“ würde die Vernetzung von Technologischem, Ökologischem, Ökonomischen und Sozialen Aspekten erlauben, ohne zu sehr einzuschränken.
    – Generell fände ich die Frage im Zusammenhang mit neuen Technologien spannend unter dem Aspekt „wir werden wieder ärmer“ zu behandeln.
    – Oder auch unter der Voraussetzung von Krisen und Katastrophen – z.B. die zunehmende Wahrscheinlichkeit von Blackouts.

    Mit schönen Grüße
    Dr. Cornelia Ehmayer
    STADTpsychologie

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